Intentionen und Stipendien

Liebe Gemeinde, 

nach sehr altem Brauch kann eine Eucharistiefeier mit einem persönlichen Gebetsanliegen verbunden werden, der sogenannten Intention. Dafür zeigen sich die Gläubigen mit einer Gabe erkenntlich, dem sogenannten Stipendium. Ein für wiederholte Intentionen auf längere Zeit gegebenes Stipendium ist eine Messstiftung. Im Laufe der Jahrhunderte waren Art und Verwendung der Stipendien und Stiftungen sehr unterschiedlich. Im Bistum Limburg ist das Stipendium bei einer Messfeier mit Orgelspiel auf 6,00 Euro, ohne Orgelspiel auf 3,50 Euro festgesetzt. Der Betrag wird unter Organisten, Küstern, der Messdienerkasse und der Gemeinde vollständig aufgeteilt. Der Zelebrant bekommt nichts. Höhere Beträge als die genannten dürfen nicht genommen werden. Jemandem, der den festgesetzten Betrag nicht oder nicht in voller Höhe bezahlen kann, darf die Intention nicht verweigert werden. Grundsätzlich können Intentionen, die hier nicht bedient werden können, an eine andere Ortskirche weitergereicht werden, wo Priester die Stipendien zum Leben brauchen. In den Kirchen der Dompfarrei, für die ich direkt verantwortlich bin, ist das im Moment nicht nötig; wir haben für die Intentionen unserer Gemeinden genügend Messfeiern. Die drei Kirchorte der Dompfarrei, an denen die Orden besondere Verantwortung tragen, regeln das Stipendienwesen nach eigenem Ermessen.

 

Allen Regelungen zum Trotz ist das traditionelle Stipendienwesen nach unserer Auffassung mit einem Makel behaftet. Wenn die bestellte Messe nach festen Sätzen bezahlt werden muss, wird der Glaube, dass es Gottes Liebe gratis gibt, und dass sich Jesus bedingungslos hingibt, nicht gefördert. Als praktisches Minus kommt ein hoher Verwaltungsaufwand für relativ kleine Summen hinzu. Vom Stadtkirchenforum im Januar 2016 bewogen, haben wir in der Dompfarrei beschlossen, das Intentionen- und Stipendienwesen neu zu ordnen: 

 

1. „Messe bestellen“ geht wie bisher: persönlich, telefonisch oder per E-Mail im Pfarramt oder im Gemeindebüro. Die Intention wird in der Gottesdienstordnung veröffentlicht (Aushang an den Kirchorten) und i. d. R. im Gottesdienst vorgelesen.  

 

2. Auf Stipendien wird künftig verzichtet. Die Gründe: Gott gibt alles umsonst, und derzeit muss bei uns niemand direkt vom Altar leben.

 

3. Verzichten heißt nicht abschaffen. Das im Recht der Orts- und Gesamtkirche geregelte Stipendienwesen wird von dieser Regelung nicht berührt.

 

4. Unsere Küster und Organisten haben uns dieses Zeichen durch einen freiwilligen Verzicht auf die ihnen zustehenden Stipendien-Anteile möglich gemacht. Die Dompfarrei zollt ihnen dafür Dank und Anerkennung. 

 

5. Wer beim Bestellen der Messe trotz allem eine Spende („für Gottesdienst und Gemeinde“) geben will, wird nicht zurückgewiesen. Dafür wird in den Kirchen ein Ort vorgesehen. Die Sekretärin, die die Intention vermerkt, darf die Spende nicht unmittelbar entgegennehmen. 

 

6. Eine starke Häufung derselben Intention und Messbestellungen lange Zeit im Voraus sorgen für Irritationen in den Gemeinden. In der Regel sollen deshalb künftig für eine Person nur noch eine Intention pro Monat angenommen und Messen nicht länger als drei Monate im Voraus bestellt werden können. Begründete Ausnahmen sind möglich. Nach gemessener Zeit überprüfen wir, ob diese Regelung mit den Bedürfnissen der Gläubigen verträglich ist. Die bereits angenommenen Intentionen und Stiftungen werden natürlich bedient.

 

Ich hoffe, Sie können diesen Überlegungen und Entscheidungen des Pfarrgemeinderates und des Verwaltungsrates zustimmen. Wenn Sie Fragen und Anmerkungen haben, stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

 

Herzlich grüßt Sie 

Ihr Johannes zu Eltz, Pfarrer