Jesus spricht: „Ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen.“ (Mt 25, 35)

Glaubenszeugnis und Fürbitten


Glaubenszeugnis von Gabriele Holland, ehrenamtliche Koordinatorin der Flüchtlingshilfe an St. Ignatius, Frankfurt/M.

 

Liebe Schwestern und Brüder,

das Thema Flüchtlinge hatte uns im Ortsausschuss schon vor dem großen Zuzug beschäftigt und als sich die Situation im letzten Jahr so zuspitzte, war für uns klar, dass wir uns hier engagieren müssen. Im September 2015 fingen wir damit an, für unbegleitete Jugendliche, die in unseren Räumen Sprachunterricht hatten und mit  Fastfood ernährt wurden, einmal in der Woche ein gutes Essen zu kochen. Gerade als das Projekt gut angelaufen war, nahm es leider gegen Ende des Jahres ein schnelles Ende, weil die Jugendlichen auf Hessen verteilt wurden: Wir mussten uns etwas Neues einfallen lassen.

Da wir wussten, dass im Labsaal, der ehemaligen Unimensa, 160 festzugewiesene Flüchtlinge untergebracht werden sollten, haben wir uns sofort an den zukünftigen Träger gewandt.

Wir haben überlegt, was den Menschen in ihrer Situation gut täte und welche Ressourcen wir haben. So sind wir auf die Idee gekommen den Menschen einmal in der Woche die Möglichkeit zu geben sich selbst ein Essen nach ihrem Geschmack zu kochen.

Wir stellen ihnen unseren Pfarrsaal und die Küche zu Verfügung, sowie einen bestimmten Betrag für den Einkauf.

Nach anfänglichen Schwierigkeiten und großem persönlichem Einsatz unsererseits nimmt unser Flüchtlingsmittwoch nun zunehmend Fahrt auf. Es sind Menschen aus vier verschiedene Nationen, die bei und kochen: aus Afghanistan, Iran, Irak, und Syrien.

 Sie organisieren  sich inzwischen selbst. Wir geben ihnen Geld, mit dem  sie selbst beim Einkauf kalkulieren können, wobei wir sie begleiten und ihnen helfen. Im Saal werden die Kinder der Köche und Köchinnen beschäftigt mit malen, basteln, spielen. Für die Jugendlichen und Erwachsenen gibt es eine Tischtennisplatte, an der fröhliche internationale Doppel ausgetragen werden.

Mitglieder aus unserer Gemeinde stehen für Gespräche und Hilfe zur  Verfügung.  Zum Essen kommen zwischen 60 und 80 Personen. Am Ende räumen alle den Saal auf und   putzen die Küche.

Die Planung ist schwierig, da wir nie genau wissen, wer wann kommt und wie viele es sein werden. So halten wir immer ein ausreichend großes Team unsererseits vor.

Unser Ziel ist es, den Menschen etwas von ihrer eigenen Souveränität zurück zu geben. Eine ehrenamtliche Helferin aus dem Labsal bestätigte uns, dass die Frauen wieder Würde ausstrahlen, wenn sie mittwochs von uns kommen.

Die Flüchtlinge nutzen unseren Pfarrsaal mittwochs nicht nur zum Essen, sondern laden hierher auch andere ein,  mit denen sie sich treffen wollen.

Nachdem inzwischen auch die Sprachkenntnisse besser werden und die Kommunikation leichter wird, öffnen sie sich zunehmend und bitten in Einzelfällen auch schon mal um Hilfe. Es sind auch schon Freundschaften entstanden. Unseren Helfern macht die Aufgabe viel Freude, auch sie fühlen sich durch die Begegnungen beschenkt.

Aber es ist nicht so, dass nur wir für sie etwas tun. Am 1. Mai hat die syrische Gruppe sich bereit erklärt für unsere Gemeinde das monatliche Gemeindeessen zu kochen.

Ich selbst habe von Anfang an das Projekt begleitet, indem ich die Frau im Hintergrund bin, die dafür sorgt, dass die Organisation klappt, die den Einsatzplan für unsere Helfer erstellt und Informationen weitergibt.

Da ich nicht in Frankfurt wohne und es auch an meinem Wohnort Flüchtlinge gibt, werde ich mich neben diesem Projekt dort mit Deutschunterricht engagieren, wie ich es bereits in den 90iger Jahren getan habe. Persönlich habe ich mich entschlossen bei der Flüchtlingsarbeit mitzuhelfen, weil ich hier eine Chance sehe, im Rahmen meiner Möglichkeiten Zeugnis abzulegen von der Menschenfreundlichkeit Gottes, die uns in Jesus Christus begegnet.

Dies tun wir in Ignatius einerseits den Flüchtlingen gegenüber, andererseits nehmen wir auch an Netzwerktreffen in Bockenheim teil und sind auch bei „frankfurt hilft“ gemeldet,  um auch in unserer eigenen Gesellschaft als Kirche präsent zu sein und Zeugnis für unseren Glauben abzulegen.

Wir wollen zeigen, wie es schon im Aufruf unserer Pfarrei heißt, dass es zur liebevollen Hinwendung zum Nächsten in Not und zur Barmherzigkeit für uns Christen keine Alternative gibt. Wir wollen mit unserem Beispiel der Menschenverachtung etwas entgegensetzen.

Integration ist nicht nur eine staatliche Aufgabe, sondern auch eine der Zivilgesellschaft und besonders von uns Christen, denn bei der Integration geht es um Begegnung von Mensch zu Mensch.

Es darf nicht so sein, wie es meine afrikanische Freundin erzählt hat: Wenn im Sportverein Fahrgemeinschaften gebildet werden mussten, blieben ihre Kinder immer übrig und der Trainer musste sie jemandem zuweisen.

Gott lässt niemanden draußen stehen, egal ob Moslem oder Christ, ob schwarz oder weiß.

Wenn wir wirklich an diesen Gott glauben, sind auch wir aufgerufen, niemanden draußen stehen zu lassen.

Für viele Menschen ist diese Art der christlichen Botschaft sicher eine Zumutung. Wir haben uns über lange Jahre  in unserem kuscheligen christlichen Abendland sehr wohl gefühlt und wollten nicht wahr haben, dass die Erde brennt. Jetzt kommen uns die Fremden als Nächste ganz nah und sie verlangen von uns zu bekennen, ob wir die Botschaft Jesu ernst nehmen.

Wir hoffen, dass Jesus am Ende der Zeiten auch zu uns sagt: Ich war auf der Flucht und ihr habt mich aufgenommen.

 

 

Fürbitten

 

Christus, höre uns … (Christus, erhöre uns.)

 

- Wir bitten Dich für alle Menschen, die auf der Flucht vor Krieg, Not und Verfolgung sind: Behüte sie auf ihrem Weg, sei bei ihnen und lass sie Deine Nähe spüren.

 

- Wir bitten Dich für die, die auf der Flucht an Leib und Seele Schaden genommen haben: Lass sie Trost und Sicherheit finden. Und nimm die Toten auf in Deine himmlische Herrlichkeit.

 

- Wir bitten Dich für alle, die in den Herkunfts- und in den Aufnahmeländern Verantwortung tragen: Inspiriere sie zu Lösungen, bei denen der Wunsch nach Sicherheit und Stabilität und das Gebot der Nächstenliebe einander nicht ausschließen.

 

- Wir sind erschüttert, wenn wir hören, dass geflüchtete Christen auch bei uns angegriffen werden: Hilf, dass die Verantwortlichen sie wirksam schützen. Und gebiete ihren Angreifern Einhalt.

 

- Wir bitten Dich für die Menschen unter uns, denen Fremde Angst machen: Schenke ihnen Möglichkeiten zur Begegnung, auf dass der Fremde zum Nächsten werden kann.

 

- Wir bitten Dich auch für alle die in unserem Land, die sich in der Flüchtlingshilfe engagieren, v.a. für die ehrenamtlichen Helfer unserer eigenen Gemeinde: Stärke sie durch Kraft und Liebe, Ausdauer und Freude. Lass sie Zeugen Deiner Liebe sein und begegne Du ihnen in ihrem Dienst am Nächsten.

 

 

Bildnachweis: Sr. Pirmin Schwitter, St. Ursula, Schweiz