Weltgebetstag 2017 von den Philippinen: Was ist denn fair?

Am Freitag, den 3. März 2016, feiern Menschen rund um den Erdball Gottesdienste zum Weltgebetstag.

 

„Was ist denn fair?“ Direkt und unvermittelt trifft uns dies Frage der Frauen von den Philippinen. Sie lädt uns ein zum Weltgebetstag 2017 – und auch zum Nachdenken über Gerechtigkeit. Die Gebete, Lieder und Texte von den Philippinen werden am 3. März 2017 rund um den Globus wandern.

 

Die 7.107 Inseln der Philippinen liegen im Pazifischen Ozean. Es ist ein Land der Extreme: Auf der einen Seite Naturschönheiten wie Urwälder, Riffe und Weltkulturerbestätten wie die Reisterrassen von Banaue, auf der anderen Seite zerstörerische Naturgewalten wie Vulkane, Taifune und Überschwemmungen. Die Inselgruppe weist eines der artenreichsten Öko-Systeme der Welt auf und doch ist dieses akut bedroht von Abholzung, Überfischung und wachsender Umweltverschmutzung.

 

Die gesamte Inselgruppe zeichnet sich durch eine Vielfalt an Völkern, Kulturen und Sprachen aus. Trotz ihres Reichtums an natürlichen Ressourcen und Bodenschätzen ist die Gesellschaft geprägt von einer extremen Ungleichheit zwischen Arm und Reich: Zeitweise starkem Wirtschaftswachstum, moderner Industrie, boomendem Dienstleistungssektor und luxuriösen Shopping-Malls in den Städten stehen krasse Armut, Perspektivlosigkeit auf dem Land und städtische Slums mit mangelnder Strom- und Wasserversorgung gegenüber. Die meisten der rund 100 Millionen Einwohner profitieren nicht vom wirtschaftlichen Wachstum. Auf dem Land haben wenige Großgrundbesitzer das Sagen, während die Masse der Kleinbauern kein eigens Land besitzt. Die Wurzeln der Ungleichheit gehen zurück bis in die spanische Kolonialzeit. Wer sich heute für Menschenrechte, Umweltschutz, Landreformen oder die Rechte der indigenen Bevölkerung einsetzt, lebt oft gefährlich.

 

Die Philippinen sind das bevölkerungsreichste christliche Land Asiens, über 80% der Bevölkerung sind katholisch. Glaube und Spiritualität prägen die philippinische Kultur. Rosenkränze und Marienfiguren schmücken Wohnungen und Autos. Im Gottesdienst zum Weltgebetstag feiern die philippinischen Frauen mit uns ihren Glauben. Der zentrale Lesungstext ist das Gleichnis der Arbeiter im Weinberg. Philippininnen lassen uns an ihren Lebensgeschichten teilhaben. Sie erzählen uns von den konkreten Auswirkungen globaler und nationaler Ungerechtigkeit in ihrem Alltag – sei es durch die Verletzung von Arbeitsschutzrechten oder den verschleppten Wiederaufbau nach Naturkatastrophen. Sie vergleichen die Situation der Arbeiter im Weinberg mit Situationen von Arbeitern auf den Philippinen.

 

Das Titelbild zum Weltgebetstag 2017 stammt von der Künstlerin Rowena Laxamana Sta. Rosa. Ihr Bild trägt den Titel „A Glimpse of the Philippine Situation“ (auf Deutsch etwa: „Ein
flüchtiger Eindruck der Situation in den Philippinen“). Es zeigt eine Frau, übergroß, mitten in der philippinischen Arbeits- und Lebenswelt. Die Attribute Waage Kreuz und Binde geben sie als eine Art Justitia zu erkennen und damit als personifizierte Gerechtigkeit. Man darf annehmen, dass Justitia wachrütteln will und uns fragt: Was ist denn fair?

 

Am Freitag, den 3. März findet am Nachmittag der Weltgebetstagsgottesdienst um 15.30 Uhr in der Katharinenkirche statt. Anschließend besteht die Möglichkeit, beim „ökumenischen Tee“ über den Gottesdienst hinaus beisammen zu bleiben.

 

Ein zweiter Weltgebetstagsgottesdienst findet am Abend um 18.30 Uhr im Dom St. Bartholomäus statt. Im Anschluss an den Abendgottesdienst laden wir zum Gespräch bei Laugengebäck und Getränken in den Gemeindesaal der Domgemeinde ein.