St. Antonius

Der Kirchort St. Antonius befindet sich im Frankfurter Westend, das sich zwischen Alter Oper, Bahnhofsviertel und Messeturm erstreckt. Soziale Brennpunkte und das Bankenviertel liegen dicht an dicht. Familien, Kinder und Jugendliche finden hier vielfältige Anknüpfungspunkte. In der Kirche St. Antonius haben auch die italienische katholische Mission und die kroatische katholische Mission ihre Heimat gefunden.

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Wochenbrief St. Antonius

Der Wochenbrief des Kirchorts St. Antonius informiert zusätzlich zum Pfarrbrief der Dompfarrei über spezifische Veranstaltungen am Kirchort St. Antonius.

Die aktuelle Ausgabe des Wochenbriefs St. Antonius können Sie sich hier herunterladen:

 

 

Wenn Sie den Wochenbrief des Kirchorts St. Antonius regelmäßig erhalten möchten, wenden Sie sich bitte an Pastoralreferentin Beatrix Henrich, B.Henrich(at)bistum-limburg.de. Sie werden dann in den E-Mail-Verteiler aufgenommen.

 

 

Abschied

Dieser Tage wurden in St. Antonius die Viertklässler der Elsa-Brändström-Schule in einem ergreifenden, von Beatrix Henrich, der Religionslehrerin Regine Matthei und dem evangelischen Pfarrer Andreas Klein liebevoll gestalteten Gottesdienst verabschiedet.

 

Die Kinder versammelten sich mit ihren Lehrerinnen in den Bänken und lauschten der von Pfarrer Klein lebhaft vorgetragenen Geschichte von Abraham im Zwiegespräch mit Gott, die das Motto für den Gottesdienst lieferte: „Ich will Dich segnen, und Du sollst ein Segen sein!“.

 

Die Lehrerinnen brachten den Kindern Symbole mit, die sie an ihre Grundschulzeit erinnern und ihnen Mut für den Wechsel und ihre nächsten Schritte machen sollten. Die bewegenden Worte, die sie in der direkten Ansprache für ihre Schützlinge fanden, zusammen mit der wohl ausgesuchten Gitarrenmusik von Pfarrer Klein berührten Kinder, Lehrerinnen und die anwesenden Mütter gleichermaßen. Es war vollkommen still und die Atmosphäre sehr konzentriert, wenn man bedenkt, dass da lauter Zehnjährige saßen, die ansonsten kaum zu bremsen sind. Es war, als würden sie sich gerade im Moment bewusst, dass da tatsächlich ein Abschied begangen wird, die verbleibenden Tage in der Grundschule können sie nun an zwei Händen abzählen. Meiner Empfindung nach lag eine wirkliche Ernsthaftigkeit in der Luft, die Kinder haben begriffen, dass etwas Altes, Gewohntes endet und etwas Neues, Unbekanntes anfangen wird. Sie verlassen den geschützten Raum ihrer Grundschule und damit auch die Lehrerin, die sie seit vier Jahren zuverlässig begleitet hat. Dies wurde umso deutlicher, als Beatrix Henrich und Regine Matthei mit ihren Armen ein „Segenstor“ bildeten, durch das jedes Kind einzeln hindurchging und einen persönlichen Segen für die nächsten Schritte seines zukünftigen Lebensweges erhielt.

 

Ich denke, dass jedes Kind, ob Christ*in oder nicht, in dem Augenblick gespürt hat, dass es wahrgenommen und erkannt wird, dass es unter einem besonderen Schutz steht, dass über es gewacht wird und dass es Menschen gibt, die sich sorgen. Von da an flossen die Tränen - bei Mädchen und Jungen gleichermaßen. Mir kam es so vor, als bräche sich da etwas Bahn, etwas, das bislang unter der Oberfläche gebrodelt hat. Denn natürlich ist dieser Viertklässler-Jahrgang kein normaler Jahrgang, es ist ein Corona-Jahrgang. Und dass das etwas mit den Kindern gemacht hat, muss uns allen in Gesellschaft und Politik bewusst und Priorität sein. Sie stehen nicht einfach vor dem Übergang in die fünfte Klasse, sondern sie haben zudem das letzte Jahr komplett zwischen Homeschooling, Online-, Wechsel- und Präsenzunterricht in dieser gewissen, täglich spürbaren Unsicherheit verbracht. Eine Unsicherheit, die bei größtem Bemühen weder Eltern noch Lehrerinnen und Lehrer zu tilgen imstande waren, denn auch die Erwachsenen waren und sind mit der Situation überfordert.

 

Wir müssen uns immer wieder klarmachen, dass Halt, Stabilität und Routine die Anker im Alltag und in der Entwicklung für unsere Kinder sind, vieles davon ist einfach weggebrochen in den letzten Monaten. Die Tränen, die ich bei den Kindern erlebt habe, waren nicht einfach Tränen der Rührung, es waren wahre Tränenströme.

 

So traurig es ist, Kinder derart weinen zu sehen, so gut und heilsam war es, dass es dafür Raum gab in diesem Gottesdienst. Die Tränen haben den Erwachsenen deutlich gemacht: nehmt uns wahr, selbst wenn wir nicht mit Worten artikulieren, dass es uns nicht gut geht, - wir nehmen alles auf, wir begreifen eine ganze Menge, aber wir wissen uns vielleicht nicht zu helfen. Der Anschein, den sie vermitteln, spiegelt beileibe nicht das, was tatsächlich in ihnen vorgeht.

 

Bei aller Traurigkeit denke ich aber auch, sie haben den Trost und die Stärkung gespürt, die in dem Segen lagen - insofern wird umso deutlicher, wie wichtig so ein bewusster Abschied ist. Man kann gar nicht oft genug appellieren: Achtet auf diese Kinder!

 

Julia Rose aus dem Ortsausschuss von St. Antonius

 

Neige, HERR, dein Ohr und höre! Öffne, HERR, deine Augen und sieh her! (2 Kön 19,16)

 

Quellennachweis: Ökumenische Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen (ÖAB)